Kindesunterhalt berechnen – Was der Nachwuchs monatlich kostet

Kinder kosten bekanntlich viel Geld. Geht aus einer ehelichen oder außerehelichen Beziehung ein Kind hervor und trennen sich die Eltern bzw. leben nicht zusammen, stellt sich die Frage nach dem Kindesunterhalt. Dabei ist zu unterscheiden: Derjenige Elternteil, bei dem das minderjährige Kind lebt, leistet den sogenannten Naturalunterhalt durch Unterkunft, Kleidung, Verpflegung usw. Dagegen ist der andere Elternteil gegenüber dem minderjährigen Kind zum sogenannten Barunterhalt verpflichtet. Wird das Kind volljährig, schulden grundsätzlich beide Elternteile Barunterhalt. Sind mehrere minderjährige und volljährige Kinder vorhanden, kann die Berechnung des Kinderunterhalts kompliziert werden.

Berechnung Kindesunterhalt online: So sieht der Kindesunterhalt-Rechner aus

Hier können Sie den zu zahlenden Kindesunterhalt mit dem Unterhaltsrechner Kind kostenlos berechnen:

Wichtige Hinweise zur Anwendung des Kindesunterhalt-Rechner

Dem Kindesunterhalt-Rechner liegt die Düsseldorfer Tabelle zugrunde.

Dem Kindesunterhalt-Rechner liegt die Düsseldorfer Tabelle zugrunde.

Dem Unterhaltsrechner fürs Kind liegt die Düsseldorfer Tabelle (Stand: 01.01.2017) zugrunde.

Im Feld „Nettoeinkommen Unterhaltspflichtiger“ ist das sogenannte bereinigte Nettoeinkommen einzutragen. Dabei können die zahlreichen Fallkonstellationen bei der Ermittlung dieses Einkommens im Rahmen dieses Rechners naturgemäß nicht dargestellt werden, so dass der Kindesunterhalt-Rechner grundsätzlich nur Richtwerte liefert.

Bezieht der Barunterhaltspflichtige Einkünfte aus nichtselbstständiger Tätigkeit, dürfen bei der Bereinigung des Nettoeinkommens jedoch 5% berufsbedingte Aufwendungen abgezogen werden (grundsätzlich mindestens 50, höchstens 150 Euro monatlich – höhere Aufwendungen gegen Nachweis). Diese Abzugsmöglichkeit gilt nicht für andere Einkunftsarten, insbesondere nicht für Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit.

Um den Kindesunterhalt zu berechnen, ist bei allen Einkunftsarten jedoch der Abzug berücksichtigungsfähiger Schulden möglich, also etwa bei einem Auszug aus der Ehewohnung die Kreditkosten für die Einrichtung der neuen Wohnung, soweit dies in einem angemessen bescheidenen Rahmen erfolgt.

In den Feldern „Kind 1 (Alter in Jahren)“ fortfolgende ist deswegen das Alter des Kindes anzugeben, weil die Düsseldorfer Tabelle drei Altersgruppen und eine Bedarfsgruppe für Volljährige enthält. Je höher die Altersgruppe, desto höher ist der Unterhalt für das Kind.

Der Kindesunterhalt-Rechner enthält bereits den Kindergeldabzug und zeigt den tatsächlich zu zahlenden Unterhaltsbetrag (Zahlbetrag). Das Kindergeld erhält regelmäßig der Elternteil, bei dem das minderjährige Kind lebt. Dem barunterhaltspflichtigen Elternteil steht aber die Hälfte des Kindergeldes zu, welches den Bedarf des Kindes mindert. Daher ist vom eigentlichen Kindesunterhalt für Minderjährige das hälftige Kindergeld abzuziehen, was der Kindesunterhalt-Rechner automatisch vornimmt.

Ist das Kind volljährig, wirkt sich das Kindergeld in voller Höhe bedarfsmindernd aus und ist daher vollständig vom Kindesunterhalt abzuziehen. Auch dies erledigt der Kindesunterhalt Rechner automatisch.

Der Selbstbehalt für den barunterhaltspflichtigen Erwerbstätigen gegenüber minderjährigen Kindern und privilegierten Kindern (volljährige unverheiratete Kinder bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres, die im Haushalt der Eltern oder eines Elternteils leben und sich in der allgemeinen Schulausbildung befinden) beträgt 1.080 Euro und für den barunterhaltspflichtigen Nichterwerbstätigen 880 Euro. Der jeweilige Selbstbehalt steht dem Pflichtigen in jedem Fall zur Verfügung. Hat der Barunterhaltspflichtige nach Abzug des Zahlbetrags weniger als den für ihn geltenden Selbstbehalt, ist eine sogenannte Mangelfallberechnung durchzuführen.

Einzelheiten dazu finden Sie im Artikel „Düsseldorfer Tabelle – Kapitel Mangelfall: Wenn das Einkommen nicht für den Kindesunterhalt ausreicht“.

Inhalt

Einkommen, Bedarf und Rang: Diese Faktoren sind bei der Kindesunterhalt-Berechnung maßgeblich

Um den Kindesunterhalt berechnen zu können, müssen verschiedene Faktoren beachtet werden.

Um den Kindesunterhalt berechnen zu können, müssen verschiedene Faktoren beachtet werden.

Bei der Berechnung des Kindesunterhalts kommt es auf das Einkommen bzw. die Leistungsfähigkeit des Barunterhaltspflichtigen, den Unterhaltsbedarf des Kindes und die Rangfolge der Unterhaltsberechtigten an.

Aus dem Einkommen des Barunterhaltspflichtigen ergibt sich seine Leistungsfähigkeit. Ist er nicht leistungsfähig, kann er keinen Unterhalt zahlen. Gegenüber minderjährigen Kindern besteht jedoch eine gesteigerte Erwerbspflicht.

Der Pflichtige muss alles in seiner Macht stehende unternehmen, um den Mindestunterhalt für die minderjährigen Kinder zu zahlen. Das reicht sogar von der Ausübung eines zusätzlichen Mini-Jobs bis zum Wechsel in einen besser bezahlten Job. Der Zahlbetrag für den Mindestunterhalt beträgt ausweislich des Anhangs zur Düsseldorfer Tabelle (Stand: 01.01.2017):

  • Erste Altersstufe von 0 bis 5 Jahren:
    Für das erste und zweite Kind jeweils 246 Euro / für das dritte Kind 243 Euro / für das vierte und jedes weitere Kind jeweils 230,50 Euro
  • Zweite Altersstufe von 6 bis 11 Jahren:
    Für das erste und zweite Kind jeweils 297 Euro / für das dritte Kind 294 Euro / für das vierte und jedes weitere Kind jeweils 281,50 Euro
  • Dritte Altersstufe von 12 bis 17 Jahren:
    Für das erste und zweite Kind jeweils 364 Euro / für das dritte Kind 361 Euro / für das vierte und jedes weitere Kind jeweils 348,50 Euro

Weitere Einzelheiten dazu erfahren Sie im Artikel zum Mindestunterhalt.

Begrenzt wird die Leistungsfähigkeit des Barunterhaltspflichtigen durch den Selbstbehalt (Eigenbedarf). Der Pflichtige muss trotz geschuldetem Unterhalt in der Lage bleiben, seinen eigenen Lebensbedarf zu finanzieren und über ein Existenzminimum zu verfügen. Der Selbstbehalt ist daher vorrangig gegenüber den Unterhaltspflichten und verbleibt dem Pflichtigen zur Deckung seines eigenen Bedarfs.

Gemäß der Anmerkung 5 der Düsseldorfer Tabelle (Stand: 01.01.2017) beträgt der Selbstbehalt gegenüber minderjährigen unverheirateten Kindern und volljährigen unverheirateten Kindern bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres, die im Haushalt der Eltern oder eines Elternteils leben und sich in der allgemeinen Schulausbildung befinden (sogenannte privilegierte volljährige Kinder),

  • beim erwerbstätigen Unterhaltspflichtigen monatlich 1.080 Euro und
  • beim nicht erwerbstätigen Unterhaltspflichtigen monatlich 880 Euro

Gegenüber den anderen volljährigen Kindern beläuft sich der Selbstbehalt auf monatlich mindestens 1.300 Euro, ohne das es auf eine Erwerbstätigkeit des Pflichtigen ankommt.

Liegt das Einkommen des Barunterhaltspflichtigen unterhalb des betreffenden Selbstbedarfs, kann er keinen Kindesunterhalt zahlen. Bei minderjährigen Kindern muss der Pflichtige jedoch den Mindestunterhalt sicherstellen.

Die Kehrseite der Leistungsfähigkeit des Barunterhaltspflichtigen ist die Bedürftigkeit des barunterhaltsberechtigten Kindes. Bedürftigkeit liegt vor, wenn das Kind seinen Lebensunterhalt weder aus eigenen Einkünften noch eigenem Vermögen bestreiten kann, 1602 Abs. 2 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB).

Kann der Berechtigte aus eigenen Mitteln den vollen Bedarf teilweise bestreiten, beschränkt sich die Unterhaltspflicht auf den zur Abdeckung des vollen Bedarfs noch fehlenden Betrag. Minderjährige Kinder sind mangels eigenem Einkommen oder Vermögen regelmäßig in voller Höhe bedürftig. Dies gilt häufig auch für volljährige privilegierte Kinder.

Der Rang des Kindes spielt bei der Berechnung für den Kindesunterhalt eine entscheidende Rolle.

Der Rang des Kindes spielt bei der Berechnung für den Kindesunterhalt eine entscheidende Rolle.

Um den Kindesunterhalt berechnen zu können, ich ist der Rang des barunterhaltsberechtigten Kindes ebenfalls maßgeblich, was sich insbesondere bei studierenden Kindern auswirkt. Beim Unterhalt gegenüber Kindern, Ehegatten und anderen Personen gilt das sogenannte Rangstufenprinzip. Das bedeutet, dass die Unterhaltsansprüche der Berechtigten auf den oberen Rängen gegenüber dem nachfolgenden Rang vorrangig sind. In der Praxis spielt die Rangfolge häufig dann eine Rolle, wenn das Einkommen des Barunterhaltspflichtigen nicht zur Abdeckung aller Unterhaltsansprüche ausreicht.

Tritt dieser sogenannte Mangelfall ein, erhalten die Berechtigten auf dem obersten Rang den (vollen) Unterhalt, während die Berechtigten auf dem nachfolgenden Rang leer ausgehen bzw. nur einen Teil erhalten. Gemäß § 1609 BGB stehen auf dem

  • obersten Rang die minderjährigen, unverheirateten Kinder und privilegierten volljährigen Kinder (bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres, unverheiratet, im Haushalt der Eltern lebend und in allgemeiner Schulausbildung)
  • zweiten Rang die ehelichen, geschiedenen und nichtehelichen Elternteile, die wegen der Betreuung eines Kindes regelmäßig bis zu dessen vollendetem dritten Lebensjahr unterhaltsberechtigt sind oder wenn einer der weiteren gesetzlich geregelten Unterhaltstatbestande vorliegt und es sich um eine Ehe von langer Dauer handelt
  • dritten Rang die nicht unter den zweiten Rang fallenden Ehegatten und geschiedenen Ehegatten
  • vierten Rang die nicht unter den ersten Rang fallenden volljährigen Kinder – also auch der auswärts wohnende volljährige Student

Vom Bruttoeinkommen zum Zahlbetrag: In 7 Schritten zur Berechnung des Kindesunterhalts

Um eine den Kindensunterhalt zu berechnen, ist unter Beachtung der Faktoren Einkommen, Bedarf und Rang wie folgt vorzugehen:

Schritt 1: Ermittlung des realen Gesamteinkommens

Maßstab für die Berechnung des Kindesunterhalts ist zunächst das reale Gesamteinkommen, also alle steuerrelevanten Brutto-Einkünfte. Dazu gehören nach 2 Abs. 1 Einkommensteuergesetz (EStG):

  • Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft
  • Einkünfte aus Gewerbebetrieb
  • Einkünfte aus selbstständiger Arbeit
  • Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit
  • Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung
  • Sonstige Einkünfte im Sinne des § 22 EStG (etwa regelmäßig wiederkehrende Leistungen wie bestimmte Renten oder gewisse private Veräußerungsgeschäfte)

Einkünfte sind dabei nach § 2 Abs. 2 Satz 1 EStG

  • bei Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb und selbstständiger Arbeit der Gewinn
  • in den anderen Fällen der Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten

Schritt 2: Korrekturen des realen Gesamteinkommens

Wird das reale Gesamteinkommens des Barunterhaltspflichtigen ermittelt, können je nach Einkommensart bei den Einkünften bestimmte Korrekturen nötig sein. Dies betrifft bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Tätigkeit etwa die Bewertung eines überobligatorischen Arbeitseinsatzes (Ausübung einer Erwerbstätigkeit, zu die der Unterhaltspflichtige oder Unterhaltsberechtigte nicht verpflichtet ist) oder des Erhalts einer arbeitsrechtlichen Abfindung.

Demgegenüber sind bei den Einkünften aus selbstständiger Tätigkeit beispielsweise die steuerlichen Verluste in unterhaltsrechtlicher Hinsicht für die Kindesunterhalt-Berechnung zu korrigieren.

Schritt 3: Ermittlung des fiktiven Einkommens

Um den Kindesunterhalt zu berechnen kann auch fiktives Einkommen herangezogen werden.

Um den Kindesunterhalt zu berechnen kann auch fiktives Einkommen herangezogen werden.


Besonders ärgerlich für das den Naturalunterhalt leistende Elternteil ist es, wenn der Barunterhaltspflichtige keinen Kindesunterhalt zahlt. Hier kommt der Pflichtige aber nicht so einfach davon. Speziell bei der Sicherstellung des Mindestunterhalts für minderjährige Kinder muss sich der Pflichtige häufig so behandeln lassen als hätte er die dafür erforderlichen Einkünfte tatsächlich erzielt.

Schritt 4: Berechnung des Nettoeinkommens

Ist das reale bzw. fiktive Gesamteinkommen ermittelt, wird daraus das Nettoeinkommen des Pflichtigen berechnet. Steuern und Sozialabgaben, aber auch Vorsorgeaufwendungen für die private Altersvorsorge sind von seinem Bruttoeinkommen in Abzug zu bringen.

Schritt 5: Berechnung des bereinigten Nettoeinkommens

Steht das Nettoeinkommen fest, ist es um die laufenden (Fix-)Kosten zu bereinigen. Damit sind die Kosten gemeint, die nicht bereits als allgemeine Lebenshaltungskosten im Selbstbehalt (Eigenbedarf, Existenzminimum) des Unterhaltspflichtigen enthalten sind. Dazu gehören etwa die berufsbedingten Aufwendungen bei Einkünften aus nichtselbstständiger Tätigkeit oder generell die berücksichtigungsfähigen Schulden (etwa aus der Ehe stammende Verbindlichkeiten).

Schritt 6: Ermittlung des monatlichen Kindesunterhalts

Das berechnete bereinigte Nettoeinkommen ist Grundlage für die Anwendung der Düsseldorfer Tabelle, aus der sich die monatliche Höhe des Kindesunterhalts ersehen lässt.

Schritt 7: Berechnung des Zahlbetrags

Die in der Düsseldorfer Tabelle ausgewiesenen monatlichen Unterhaltsbeträge berücksichtigen nicht das Kindergeld. Da dieses den Bedarf des Kindes mindert, muss es in die Berechnung des zu zahlenden Unterhalts (Zahlbetrag) einfließen. In der Regel erhält derjenige Elternteil den Kindesunterhalt, der den Naturalunterhalt leistet. Der Barunterhaltspflichtige darf daher das hälftige Kindergeld vom zu zahlenden Unterhalt abziehen.

So funktioniert die Kindesunterhaltberechnung im Einzelnen

Bei den sieben Schritten zur Berechnung des Kindesunterhalts sind zahlreiche Punkte zu beachten.

Der Regelfall: Wenn der Barunterhaltspflichtige in einem festen Arbeitsverhältnis steht

Der Regelfall für die Unterhaltsberechnung fürs Kind liegt vor, wenn der Unterhaltspflichtige eine feste Arbeitsstelle hat.

Der Regelfall für die Unterhaltsberechnung fürs Kind liegt vor, wenn der Unterhaltspflichtige eine feste Arbeitsstelle hat.


In den meisten Fällen erzielt der Barunterhaltspflichtige Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit, steht also in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. In diesem Fall sind für die Kindesunterhalt-Berechnung die Brutto-Einkünfte der letzten 12 Monate maßgeblich.

Ist das monatliche Nettoeinkommen ermittelt, darf der erwerbstätige Unterhaltspflichtige bei der Bereinigung die berufsbedingten Aufwendungen abziehen. Diese betragen 5% vom Nettoeinkommen, jedoch monatlich mindestens 50 Euro (bei geringfügiger Teilarbeit auch weniger) und höchstens 150 Euro, es sei denn es werden höhere angemessene Aufwendungen nachgewiesen.

Ebenfalls praxisrelevant: Wenn der Barunterhaltspflichtige selbstständig ist

Geht der Barunterhaltspflichtige einer selbstständigen Arbeit nach, ist für die Unterhaltsberechnung beim Kind der Gewinn der letzten drei Jahre zugrundezulegen. Berufsbedingte Aufwendungen dürfen jedoch nicht vom Gewinn abgezogen werden.

Fiktives Einkommen: Wann sich der Pflichtige das, was er verdienen könnte, anrechnen lassen muss

In der Praxis ärgern sich gerade Mütter darüber, dass sie das minderjährige Kind betreuen, während die Väter keinen oder nur sehr wenig Unterhalt zahlen. So kommt es nicht selten vor, dass die Väter plötzlich ihre gutbezahlte Arbeitsstelle verlieren oder trotz einer gehobenen Position nur ein geringes Einkommen erzielen. Hier gelten jedoch strenge Regeln:

Wer mutwillig seinen Arbeitsplatz aufgibt oder trotz etwa einer Geschäftsführertätigkeit nur ein paar hundert Euro verdient, muss sich – speziell beim Mindestunterhalt – so behandeln lassen, als ob er (weiterhin) das volle Einkommen erzielen würde.

Besonders wichtig bei der Bereinigung des Nettoeinkommens: Berücksichtigungsfähige Schulden

Bei sämtlichen Einkommensarten stellt sich die Frage, wie mit den bestehenden Schulden des Barunterhaltspflichtigen bei der Berechnung zum Kindesunterhalt zu verfahren ist.

Als Faustregel gilt, das während der Ehe mit Zustimmung des Partners aufgenommene Kredite ebenso wie die notwenigen Verbindlichkeiten des Pflichtigen beim Einzug in eine neue Wohnung nach Trennung bzw. Scheidung zu berücksichtigen sind. Demgegenüber finden Konsumkredite oder Ratenzahlungen für erhaltene Prozess- oder Verfahrenskostenhilfe generell keine Anerkennung.

Weiterführende Informationen zur Berechnung des Kindesunterhaltes bei:

  • Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit (etwa die Berücksichtigung von geldwerten Zuwendungen des Arbeitgebers, einer Abfindung oder des überobligatorische Einkommens),
  • Einkünften aus selbstständiger Arbeit,
  • Annahme es fiktiven Einkommens oder
  • Schulden

erhalten Sie im Artikel „Unterhaltsrechner, Kapitel: Nichtselbstständige Arbeit: Diese Besonderheiten bestehen bei der Unterhaltsberechnung“.

Mit der Düsseldorfer Tabelle den Kindesunterhalt berechnen

Steht das bereinigte Nettoeinkommen des Barunterhaltspflichtigen fest, kann aus der Düsseldorfer Tabelle (Stand: 01.01.2017) der monatliche Unterhalt des Kindes ersehen werden:

Nettoeinkommen des
Barunterhaltspflichtigen
in Euro pro Monat
Altersstufen in Jahren
(§ 1612a Abs. 1 BGB) /
Beträge in Euro pro Monat

Prozentsatz
Bedarfskontrollbetrag in Euro pro Monat

0-56-1112-17ab 18
1.bis 1.500342393460527100880/1.080
2.1.501 - 1.9003604134835541051.180
3.1.901 - 2.3003774335065801101.280
4.2.301 - 2.7003944525296071151.380
5.2.701 - 3.1004114725526331201.480
6.3.101 - 3.5004385045896751281.580
7.3.501 - 3.9004665356267171361.680
8.3.901 - 4.3004935666637591441.780
9.4.301 - 4.7005205987008021521.880
10.4.701 - 5.1005486297368441601.980

Bei Einkommen über 5.101 Euro netto kommt es auf die Umstände des Einzelfalls an.

Eingeteilt ist die Düsseldorfer Tabelle in elf Einkommensstufen sowie drei Altersgruppen und eine Bedarfsgruppe für volljährige Kinder, sofern diese noch im Haushalt eines oder beider Elternteile leben. Der Unterhaltspflichtige kann also

  • anhand seines monatlichen bereinigten Nettoeinkommens ermitteln, in welche Einkommensstufe er fällt und
  • aus der Altersgruppe, in die das Kind einzuordnen ist, die Höhe des monatlichen Kindesunterhaltes ersehen

Zugleich kann der Pflichtige anhand des Bedarfskontrollbetrags erkennen, ob ihm der Selbstbehalt verbleibt (unterste Einkommensgruppe) oder eine ausgewogene Verteilung seines Einkommens zwischen ihm und den Berechtigten stattfindet (darüber liegende Einkommensgruppen).

Ausgelegt ist die Düsseldorfer Tabelle für zwei Unterhaltsberechtigte. Sind mehr oder weniger Berechtige vorhanden, ist eine Eingruppierung in eine niedrigere bzw. höhere Tabellengruppe vorzunehmen.

Praxisbeispiel 1: Kindesunterhalt berechnen nach Düsseldorfer Tabelle – wenn nur ein Kind unterhaltsberechtigt ist

Aus einer Ehe ist das 5-jährige Kind K hervorgegangen. Nach der Scheidung lebt K bei der Mutter, die weder gegenüber dem Kind barunterhaltsverpflichtet noch gegenüber dem Vater unterhaltsberechtigt ist. Der barunterhaltspflichtige Vater verfügt nach Abzug seiner berufsbedingten Aufwendungen und der berücksichtigungsfähigen Schulden über ein monatliches bereinigtes Nettoeinkommen in Höhe von 1.700 Euro.

Folge: An sich wäre der Vater in die 2. Einkommensstufe (1.501 – 1.900 Euro monatlich) der Düsseldorfer Tabelle zum Unterhalt einzugruppieren. Da die Tabelle jedoch für zwei Unterhaltsberechtigte ausgelegt ist und hier nur ein berechtigtes Kind vorhanden ist, hat eine Hochstufung in die 3. Einkommensstufe (1.901 – 2.300 Euro monatlich) zu erfolgen. Aus der zugehörigen Altersgruppe lässt sich dann der Unterhalt bzw. Bedarf von K wie folgt entnehmen:

K (5 Jahre): 377 Euro monatlich

Wird vom monatlichen bereinigten Nettoeinkommen des Vaters in Höhe von 1.700 Euro die monatliche Unterhaltspflicht in Höhe von 377 Euro abgezogen, verbleiben ihm monatlich 1.323 Euro. Dies entspricht in etwa dem monatlichen Bedarfskontrollbetrag in Höhe von 1.280 Euro, so dass das Einkommen zwischen dem Vater und K ausgewogen verteilt ist.

Anders ist die Tabelle anzuwenden, wenn das Kind volljährig ist und bei einem bzw. beiden Elternteilen lebt bzw. das Kind privilegiert ist: Hier sind beide Elternteile barunterhaltspflichtig.

Praxisbeispiel 2: Kindesunterhalt berechnen gemäß Düsseldorfer Tabelle – Unterhaltsberechnung volljähriges Kind (privilegiert)

Wie Praxisbeispiel 1, wobei das Kind K 18 Jahre alt, unverheiratet und in der allgemeinen Schulausbildung ist. Auch die Mutter verfügt über ein monatliches bereinigtes Nettoeinkommen von 1.700 Euro.

Folge: Das Einkommen beider Elternteile ist zusammenzurechnen, also 1.700 Euro + 1.700 Euro = 3.400 Euro. Der Unterhalt würde sich dann zwar nach der 6. Einkommensstufe richten (3.101 – 3.500 Euro). Da aber die Düsseldorfer Tabelle für zwei Berechtigte ausgelegt ist, hat eine Höhergruppierung in die 7. Einkommensstufe zu erfolgen (3.501 – 3.900 Euro). Der Unterhaltsanspruch von K betrüge dann gegen jedes Elternteil 717 Euro : 2 Elternteile = 358,50 Euro. Hätten die Eltern unterschiedliches Einkommen, wäre der Unterhalt entsprechend den jeweiligen Einkommen anteilig zu berechnen. Daneben stellt sich die Frage, inwieweit die Mutter ihre Naturalleistungen auf den Barunterhalt anrechnen kann.

Auch wenn das volljährig gewordene Kind ab diesem Zeitpunkt einen Anspruch auf Barunterhalt gegen beide Elternteile hat: Es bleibt grundsätzlich Sache der Eltern, wie der Unterhalt gewährt wird. Das Elternteil, bei dem das privilegierte volljährige Kind lebt, kann also den Unterhalt auch weiterhin durch Kost, Logis und Taschengeld gewähren. Lediglich dann, wenn den privilegierten Volljährigen ein Verbleib im Elternhaus aus Platzgründen unmöglich oder etwa wegen massiver Differenzen unmöglich ist, darf der Volljährige ausziehen, sich eine eigene Bleibe suchen und von beiden Elternteilen den vollen Barunterhalt verlangen. Das gilt ebenso, wenn die vom Kind gewählte Berufsausbildung nur auswärts möglich ist.

Die Unterhaltsberechnung beim volljährigen Kind hat daher ihre Tücken. Das zeigt sich auch, wenn mehrere Kinder vorhanden sind:

Praxisbeispiel 3: Kindesunterhalt berechnen gemäß Düsseldorfer Tabelle – minderjähriges und volljähriges Kind

Wie Praxisbeispiel 1, wobei K (5 Jahre) noch einen volljährigen Bruder B hat, der auswärts studiert.

Folge: K hat aufgrund seiner Minderjährigkeit gegenüber dem auswärts wohnenden, volljährigen B einen höheren Rang. K erhält daher in voller Höhe den Unterhalt von 352 Euro nach der 2. Einkommensstufe, in die der Vater einzuordnen ist (also nicht wie zuvor 369 Euro nach der 3. Einkommensstufe, da die Düsseldorfer Tabelle für zwei Unterhaltsberechtigte ausgelegt ist). Der auswärts lebende B hätte aufgrund seines Studiums zwar einen Unterhaltsanspruch von 735 Euro (vgl. Anm. 7 Düsseldorfer Tabelle, Stand: 01.01.2017), muss sich aber mit dem zufrieden geben, was nach Abzug des Unterhalts für K und dem Selbstbehalt für den Vater übrig bleibt (sogenannter einfacher Mangelfall).

Der Zahlbetrag: Unterhalt abzüglich Kindergeld

Um den Kindesunterhalt zu berechnen, wird häufig die Düsseldorfer Tabelle verwendet.

Um den Kindesunterhalt zu berechnen, wird häufig die Düsseldorfer Tabelle verwendet.

In den Unterhaltsbeträgen der Düsseldorfer Tabelle ist das Kindergeld noch nicht berücksichtigt. Das Kindergeld mindert jedoch den Bedarf des Kindes. Daher darf der Barunterhaltspflichtige vom Unterhaltsbetrag die Hälfte des Kindergeldes abziehen, sofern diese staatliche Leistung an den Naturalunterhalt Leistenden ausbezahlt wird. Ist das Kind dagegen volljährig, wird das gesamte Kindergeld auf seinen Bedarf angerechnet. Aus dem Abzug des Kindergeldes vom Unterhalt ergibt sich der vom Barunterhaltspflichtigen zu leistende Zahlbetrag.

Die Anrechnung des Kindergeldes auf den Unterhalt ist aufgrund der Neufassung der Düsseldorfer Tabelle zum 01.01.2016 etwas verwirrend:

Bis zum 31.07.2015 betrug das Kindergeld

  • für das erste und zweite Kind 184 Euro,
  • für das dritte Kind 190 Euro,
  • ab dem vierten Kind 215 Euro.

Aufgrund der gesetzlichen Neuregelung zum 01.08.2015 betrug das Kindergeld nun rückwirkend zum 01.01.2015 für das

  • erste und zweite Kind 188 Euro
  • dritte Kind 194 Euro
  • ab dem vierten Kind 219 Euro

Unterhaltsrechtlich wurden aber seit dem 01.08.2015

  • die bisher gelten Kindergeldbeträge von 184, 190 und 215 Euro
  • auf die neuen Unterhaltsbeträge der Düsseldorfer Tabelle Stand 01.08.2015

angerechnet. Diese Regelung galt bis Ende 2015.

Seit 2017 belaufen sich die Kindergeldbeträge auf:

  • für das erste und zweite Kind: 192 Euro
  • für das dritte Kind: 196 Euro
  • für jedes weitere Kind: 223 Euro

Im Jahr 2018 sollen die Beträge erneut um je zwei Euro steigen.

Nach der neuen Düsseldorfer Tabelle ergeben sich folgende Zahlbeträge (Stand: 01.01.2017):

Nettoeinkommen des
Barunterhaltspflichtigen
in Euro pro Monat
Altersstufen in Jahren
(§ 1612a Abs. 1 BGB) /
Beträge in Euro pro Monat

Prozentsatz
Bedarfskontrollbetrag in Euro pro Monat

0-56-1112-17ab 18
1.bis 1.500342393460527100880/1.080
1. und 2. Kind246297364335
3. Kind243294361329
ab dem 4. Kind230,50281,50348,50304
2.1.501 - 1.9003604134835541051.180
1. und 2. Kind264317387362
3. Kind261314384356
ab dem 4. Kind248,50301,50371,50331
3.1.901 - 2.3003774335065801101.280
1. und 2. Kind281337410388
3. Kind278334407382
ab dem 4. Kind265,50321,50394,50357
4.2.301 - 2.7003944525296071151.380
1. und 2. Kind298356433415
3. Kind295353430409
ab dem 4. Kind282,50340,50417,50384
5.2.701 - 3.100411475526331201.480
1. und 2. Kind315376456441
3. Kind312373453435
ab dem 4. Kind299,50360,50440,50410
6.3.101 - 3.5004385045896751281.580
1. und 2. Kind342408493483
3. Kind339405490477
ab dem 4. Kind326,50392,50477,50452
7.3.501 - 3.9004665356267171361.680
1. und 2. Kind370439530525
3. Kind367436527519
ab dem 4. Kind354,50423,50514,50494
8.3.901 - 4.3004935666637591441.780
1. und 2. Kind397470567567
3. Kind394467564561
ab dem 4. Kind381,50454,50551,50536
9.4.301 - 4.7005205987008021521.880
1. und 2. Kind424502604610
3. Kind421499601604
ab dem 4. Kind408,50486,50588,50579
10.4.701 - 5.1005486297368441601.980
1. und 2. Kind452533640652
3. Kind449530637646
ab dem 4. Kind436,50517,50624,50621

Bei der Unterhaltszahlung sind also die jeweiligen Zahlbeträge zugrundezulegen.

Praxisbeispiel 4: Zahlbetrag bei einem minderjährigen unterhaltsberechtigten Kind

Wie Praxisbeispiel 1.

Folge: Der Unterhalt für K (5 Jahre) beträgt 369 Euro monatlich. Der Vater muss 274 Euro monatlich als Zahlbetrag leisten (Einkommensgruppe 3, Zahlbeträge für 1. und 2. Kind).

Alternative Berechnung des Kindesunterhalts:
369 Euro monatlich Unterhalt abzüglich hälftigem Kindergeld (Stand: 01.01.2017) in Höhe von 96 Euro (192 Euro : 2 Elternteile) = 273 Euro

Auch bei den Zahlbeträgen sind die Besonderheiten für volljährige Kinder zu beachten.

Praxisbeispiel 5: Zahlbetrag bei einem privilegierten unterhaltsberechtigten Kind

Wie Praxisbeispiel 2.

Folge: Der Unterhalt für K (18 Jahre) beträgt 702 Euro monatlich. Jedes Elternteil muss 254 Euro monatlich als Zahlbetrag leisten (Einkommensgruppe 7, Zahlbeträge für 1. und 2. Kind, also 510 Euro : 2 Elternteile).

Alternative Berechnung des Kindesunterhalts:
702 Euro monatlich Unterhalt abzüglich vollem Kindergeld in Höhe von 192 Euro = 510 Euro
Die 510 Euro monatlich sind von beiden Elternteilen hälftig zu erbringen.