Nach der Scheidung weiter Unterhalt zahlen trotz Rente – Müssen Sie das?

Es gibt zahlreiche Gründe, die einen Unterhaltsanspruch gegenüber dem getrenntlebenden oder geschiedenen Ehegatten legitimieren. Aber muss der bei Scheidung vereinbarte Unterhalt von einem Rentner noch weiterhin gezahlt werden? Oder endet die Unterhaltsverplfichtung mit dem Renteneintritt? Wie vertragen sich Unterhalt und Rente? Erfahren Sie es im Folgenden.

Nachehelicher Unterhalt bei Renteneintritt – Weiterzahlen oder nicht?

Zur Bewertung von Unterhalt bei Rentnern

Scheidung: Unterhalt müssen auch Rentner zahlen - wenn sie leistungsfähig sind.

Scheidung: Unterhalt müssen auch Rentner zahlen – wenn sie leistungsfähig sind.

Recht häufig stellen sich betroffene die Frage, ob im Zuge einer Scheidung geltend gemachte Unterhaltsforderungen des ehemaligen Ehegatten auch bei Eintritt in die Rente noch weiterhin gezahlt werden müssen.

Und kann der Ehegatte auch bei bereits bestehenden Rentenbezügen vor oder während der Scheidung Trennungs- oder nachehelichen Unterhalt geltend machen?

Was viele nicht Wissen: Rente ist auch Einkommen!

Grundsätzlich handelt es sich auch bei Rentenbezügen um anrechenbares Einkommen, das für die Berechnung von Unterhaltsansprüchen heranzuziehen ist.

Bestehen die Gründe für einen eventuellen Anspruch auf Unterhalt also weiterhin, kann auch bei Renteneintritt die Zahlungsverpflichtung bestehen bleiben. Da die Rentenbezüge in vielen Fällen jedoch wesentlich geringer ausfallen können, als das bis dato erwirtschaftete Arbeitsentgelt, bedarf es zumeist der Anpassung der Unterhaltszahlungen.
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Bei Scheidung: Wie viel Unterhalt ist trotz Rente zu zahlen?

Generell handelt es sich bei der Unterhaltsberechnung im Zuge eines Scheidungsverfahrens um Einzelfallbewertungen. Sie richten sich stets nach dem den Beteiligten zur Verfügung stehenden bereinigten, monatlichen Nettoeinkommen.

Nachehelicher Unterhalt bei Rente: Besteht ein genereller Anspruch, kann dieser auch dann geltend gemacht werden.

Nachehelicher Unterhalt bei Rente: Besteht ein genereller Anspruch, kann dieser auch dann geltend gemacht werden.

Anders als bei den anderen Formen der Unterhaltsberechnung gilt hinsichtlich des Ehegattenunterhalts der sogenannte Halbteilungsgrundsatz – sofern beide Ehegatten Rente beziehen. Das bedeutet, dass von dem Differenzbetrag zwischen den beiden Einkommen nicht mehr 3/7 als Unterhaltsanspruch gelten, sondern die Hälfte.

Im Folgenden sollen ein paar Berechnungsbeispiele den Berechnungsweg veranschaulichen – ausgegangen wird dabei stets davon, dass dem Grunde nach ein Unterhaltsanspruch besteht:

  1. Zum Zeitpunkt der Scheidung beziehen beide Ehegatten bereits Rente. Nach erfolgtem Versorgungsausgleich – der Aufteilung der während der Ehezeit erworbenen Rentenanwartschaften – beträgt die Rente von A 2.700 Euro (bereinigt), die von B 1.000 Euro (bereinigt).

    bereinigtes Nettoeinkommen A
    bereinigtes Nettoeinkommen B
    Differenz
    Halbteilung = Unterhaltshöhe

    2.700 Euro
    1.000 Euro
    1.700 Euro
    850 Euro

    B kann nach der Scheidung trotz Rente einen Unterhalt in Höhe von 850 Euro geltend machen.

  2. Beide Ex-Ehegatten beziehen bereits Rente, der Versorgungsausgleich ist vollzogen. Beteiligter B verdient jedoch noch etwas hinzu, um die Rentenbezüge aufzustocken. Der Zuverdienst ist ebenfalls als Einkommen anzurechnen, allerdings wird 1/7 von dem Gesamtverdienst abgezogen.

    a) Bereinigtes Einkommen B

    Zuverdienst
    abzgl. 1/7
    Rentenbezug B
    Gesamteinkommen (bereinigt)

    350 Euro
    300 Euro
    500 Euro
    800 Euro

    b) Unterhaltsanspruch

    bereinigtes Nettoeinkommen A
    bereinigtes Nettoeinkommen B
    Differenz
    Halbteilung = Unterhaltshöhe

    2.700 Euro
    800 Euro
    1.900 Euro
    950 Euro

    In diesem Fall könnte B einen Unterhalt in Höhe von 950 Euro geltend machen.

Sonderfall Altersvorsorgeunterhalt nach Scheidung – Anpassung vom Unterhalt bei Rente

Wie viel Unterhalt ist trotz Rente nach der Scheidung zu zahlen?

Wie viel Unterhalt ist trotz Rente nach der Scheidung zu zahlen?

Ein Sonderfall tritt dann ein, wenn der Unterhalstpflichtige nach der Scheidung einen Altersvorsorgeunterhalt (AVU) gezahlt hat, durch den sich die Rentenansprüche des Berechtigten insgesamt erhöht haben.

Bei der Berechnung von etwaigen Unterhaltsansprüchen nach dem Renteneintritt werden die Rentenbezüge, die auf dem nachehelichen Altesunterhaltsansprüchen basieren, zunächst nicht betrachtet. Stattdessen erfolgt nach Ermittlung vom Unterhalt bei Rente der nachträgliche Abzug dieser Anwartschaften.

Auch hier ein Beispiel zur Veranschaulichung:

A hat B nach der Scheidung einen allgemeinen Unterhalt von 700 Euro gezahlt. Zusätzlich zahlte er auch einen Altersvorsorgeunterhalt in Höhe von 100 Euro an B, den dieser dann in die Rentenversicherung einzahlte.

Bei Eintritt in die Rente erhält B dank des Altersvorsorgeunterhalts insgesamt 800 Euro Rente, von denen er ohne die Unterhaltsleistungen ursprünglich nur 400 Euro als Rente zu Verfügung gehabt hätte. Die Bezuschussung von 400 Euro wird sodann von dem Einkommen zunächst abgezogen, um den generellen Unterhaltsanspruch wie folgt zu berechnen:

bereinigtes Nettoeinkommen A
bereinigtes Nettoeinkommen B
Differenz
Halbteilung = Unterhaltshöhe

2.700 Euro
400 Euro
2.300 Euro
1.150 Euro

Der allgemeine Unterhaltsanspruch von B gegenüber A läge damit bei 1.150 Euro. Aber: Von diesem Betrag ist nunmehr der Rentenanteil abzuziehen, den B durch die Zahlung von Altervorsorgeunterhalt erhielt – also 400 Euro:

allgemeiner Unterhaltsanspruch
abzgl. Rentenansprüche durch AVU
tatsächlicher Anspruch auf Unterhalt bei Rente

1.150 Euro
– 400 Euro
750 Euro

Damit läge der tatsächliche Anspruch nach Scheidung auf Unterhalt bei dem Rentner bei 750 Euro. Verglichen mit dem obigen Beispiel, bei dem B 800 Euro Rente anzurechnen waren, liegt der Unterhaltsanspruch im Rentenfall damit 150 Euro niedriger (dort waren es 950 Euro). A wird durch die Vorableistung also nicht doppelt belastet, sondern ein Stück weit von der Zahlungsverpflichtung befreit, da sich durch den bei Scheidung vereinbarten Unterhalt die Rente des Ex-Ehegatten bereits erhöhte.

Auch für Kinder nach der Scheidung den Unterhalt trotz Rente weiterzahlen?

Auch für den Kindesunterhalt gilt: Besteht der Anspruch des Kindes gegenüber dem oder den barunterhaltspflichtigen Elternteilen auch weiterhin, so muss nach Trennung und Scheidung auch ein Rentner Unterhalt leisten – vorausgesetzt die Bezüge sind hoch genug.

Der Selbstbehalt des Unterhaltspflichtigen sinkt in der Regel mit Eintritt in die Rente auf den Wert von nicht erwerbstätigen Schuldnern – nach Düsseldorfer Tabelle auf derzeit 880 Euro monatlich (Stand: 2016).
Auch für Kinder ist nach der Scheidung Unterhalt auch vom Rentner zu zahlen.

Auch für Kinder ist nach der Scheidung Unterhalt auch vom Rentner zu zahlen.

Können Sie also den Unterhalt von der Rente grundsätzlich zahlen, sind Sie leistungsfähig – die Zahlungsverpflichtung bleibt bestehen.

Der Unterhaltsbdearf eines Kindes, ob volljährig oder nicht, richtet sich dabei in der Regel nach der Düsseldorfer Tabelle. Die hier dargelegten Berechnungsgrundlagen für den Kindesunterhalt sind jedoch nicht rechtlich festgeschrieben. Dennoch orientieren sich die meisten Gerichte und Jugendämter an ihnen.

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