Wie wirkt sich der Wohnvorteil auf den Kindesunterhalt aus?

Der zu zahlende Kindesunterhalt wird anhand der Düsseldorfer Tabelle ermittelt, welche den Kindesunterhaltsbedarf des Unterhaltsschuldners festlegt, welches vom Einkommen abhängig ist. Zu diesem Einkommen zählt eine ganze Reihe an Werten – so ist unter anderem auch ein etwaiger Wohnvorteil bei einem Kindesunterhalt von Bedeutung.

Das Wichtigste in Kürze: Was der Wohnvorteil für den Kindesunterhalt bedeutet

  • In Bezug auf Kindesunterhalt meint der Wohnvorteil, dass ein Unterhaltschuldner deshalb in einem finanziellen Vorteil ist, weil dieser in einer Eigentumswohnung oder in einem eigenen Haus lebt oder aus anderen Gründen keine Miete zahlen muss.
  • Dies wird beim Unterhalt berücksichtigt, indem der individuelle Wohnwert als Mietersparnis in die Berechnung einfließt.
  • Dieser Wohnwertvorteil bei einem Kindesunterhalt richtet sich nach der Wohnsituation der Eltern.

Der nachfolgende Ratgeber klärt Sie über den Wohnvorteil auf.

Was ist mit einem Wohnvorteil überhaupt gemeint?

Unterhaltsberechnung berücksichtigt individuelle Umstände

Beim Kindesunterhalt wird der Wohnvorteil des Unterhaltspflichtigen berücksichtigt

Beim Kindesunterhalt wird der Wohnvorteil des Unterhaltspflichtigen berücksichtigt

Von Wohnvorteil wird gesprochen, wenn eine Person deshalb finanziell besser gestellt ist, weil sie in einer eigenen Immobilie wohnt und dementsprechend keine Miete zahlen muss. Dies erschließt sich, denn immerhin hat eine Person dann mehr Geld für andere Ausgaben – und dementsprechend auch mehr Geld, dass für die Veranschlagung des Kindesunterhalts herangezogen werden kann. So wird der Wohnvorteil für den Kindesunterhalt in die Berechnung einbezogen, indem die quasi nicht gezahlte Miete als ein Einkommen angerechnet wird.

So wird der Wohnvorteil bei der Berechnung von Kindesunterhalt also dahingehend berücksichtigt, dass dieser wie ein unterhaltsrelevantes Einkommen behandelt wird.

Möchten Sie den Wohnvorteil berechnen, ist der Scheidungsantrag wichtig

Beim Wohnvorteil für den Kindesunterhalt fußt die Berechnung auf dem individuellen Wohnwert. Wie hoch dieser Wohnwert beim Kindesunterhalt ausfällt, hängt grundsätzlich davon ab, ob der Scheidungsantrag bereits gestellt wurde oder nicht.

Vor der Stellung des Scheidungsantrages

Werden entsprechende Zahlungen bereits während des Trennungsjahres fällig, dann wird in der Regel von einem geringeren Wohnwert ausgegangen. Das hat folgenden Grund: Es besteht keine Verpflichtung, vor der Trennung aus einer Wohnung auszuziehen. Gleichzeitig kann jedoch davon ausgegangen werden, dass nach der Trennung ein Gatte in der Immobilie wohnen bleibt – diese ist dann meist zu teuer für eine Person, weshalb dies dem Unterhaltsschuldner nicht zum Nachteil gereichen soll.

Soll der Wohnvorteil für den Kindesunterhalt schon vor der Stellung des Scheidungsantrages ermittelt werden, dann ist der Wohnwert nicht etwa nur die hälftige, objektive Miete. Vielmehr spielen der örtliche Mietspiegel und das individuelle Einkommen eine Rolle.

Ab der Stellung des Scheidungsantrages

Wohnvorteil für Kindesunterhalt: Ob volljährig oder nicht, spielt erst einmal keine Rolle

Wohnvorteil für Kindesunterhalt: Ob volljährig oder nicht, spielt erst einmal keine Rolle

Wurde der Scheidungsantrag eingereicht, dann entspricht der Wohnwert für den Kindesunterhalt der eigentlichen Miete, welche normalerweise für die betroffene Immobilie monatlich gezahlt werden müsste – sprich der objektive Mietpreis. Die eingesparte Miete wird als Einkommen veranschlagt und fließt in die Unterhaltsberechnung mit ein.

Diese Beschreibungen zeigen, dass es in dem Sinne keine feste Berechnung für den Wohnwertvorteil bei der Kindesunterhalt-Ermittlung gibt – je nach subjektivem Wohnwert wird dadurch das Einkommen erhöht, welches der Unterhaltsberechnung zugrunde liegt.

Wie verändert sich der Wohnvorteil beim Kindesunterhalt, wenn ein Haus abbezahlt werden muss?

Ist die Konstellation so, dass der im Eigenheim/in der eigenen Wohnung zurückbleibende Elternteil Lasten zu bezahlen hat, dann gilt grob zusammengefasst:

  • vor Stellung des Scheidungsantrages: entsprechende Raten (Tilgung und Zinsen) können meist in voller Höhe vom jeweiligen Wohnwert abgezogen werden
  • ab der Stellung des Scheidungsantrages: in der Regel können dann nur Zinsen abgezogen werden

Je nach Umständen ist hier zusätzlich von Bedeutung, ob eine Gütertrennung vereinbart wurde und inwiefern der andere Ehegatte von der Tilgung profitiert – eine fachmännische Einschätzung ist meist unerlässlich.

Beachten Sie hierzu: Wohnt der Unterhaltsschuldner kostenfrei bei einem neuen Partner, den eigenen Eltern oder anderen Verwandten, dann zählt dies nicht als ein Wohnvorteil für einen Kindesunterhalt.

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