Was ist ein begleiteter Umgang nach der Scheidung?

Eine Trennung mit Kind kann schnell zur Zerreißprobe für alle Betroffenen werden. Elternteile gehen häufig tief zerstritten auseinander, und nicht selten wird dem anderen ein Umgang mit dem gemeinsamen Nachwuchs verwehrt. Kommt es zu derartigen Konflikten, leiden Kinder beträchtlich darunter. Abgesehen von solchen nachehelichen Rosenkriegen gibt es einige Gründe, welche die Beziehung zwischen Umgangsberechtigten und Kind belasten. In solchen Fällen kann ein begleiteter Umgang zu einer Annäherung beitragen.

Begleiteter Umgang: das Konzept des betreuten Kontaktes

Begleiteter oder betreuter Umgang ist eine Gesprächssituation, bei welcher Kinder und ihre Umgangsberechtigten unter Aufsicht und Anleitung einer dritten Person miteinander agieren.

Bei schlimmen Zerwürfnissen kommt betreuter Umgang im Jugendamt oder anderen Stellen zum Einsatz

Bei schlimmen Zerwürfnissen kommt betreuter Umgang im Jugendamt oder anderen Stellen zum Einsatz

Dieses besondere Dispositiv stellt zum einen die Realisierung des Umgangsrechts dar und garantiert ebenso das Wohl des betroffenen Kindes. Als Umgangsbegleitung kommt grundsätzlich jeder in Frage, der sich solch einer Sache gewachsen sieht. Meist werden jedoch professionelle, geschulte Fachkräfte eingesetzt: Psychologen, Pädagogen, Familientherapeuten oder Mitarbeiter von Jugendhilfestellen.

Durch die Anwesenheit einer dritten Person und den neutralen Ort soll Kindern ein sicherer Raum geschaffen werden, um sich zu öffnen und unbeeinflusst zu agieren.

Beachten Sie: Gleichwohl ein begleiteter Umgang auch im Hinblick auf bspw. Pflegekinder eine Rolle spielt, wird hier die Konstellation Kind-Elternteil betrachtet. Daneben können sich die beiden Elternteile auch privat auf solche Gespräche einigen.

Details zum Ablauf

Da ein begleiteter Umgang von unterschiedlichen Stellen betreut wird, gibt es in dem Sinne keinen festen Ablauf oder Zeitrahmen. Je nach Fall können die Eltern auch vorher mitbestimmen, wie das Gespräch verlaufen soll. Grundsätzlich kommunizieren Eltern und Kinder miteinander; Aufgabe der Umgangsbegleitung ist es, hintergründig zu agieren und zu moderieren. Diese Sitzungen können auch so gestaltet werden, dass die Elternteile sich gegenseitig nicht begegnen müssen – Streitsituationen sollen schließlich vermieden werden.

Ein begleiteter Umgang verursacht mitunter Kosten für die Eltern. In manchen Fällen werden diese von den jeweiligen Hilfeträgern übernommen; ist dies nicht gegeben, dann hat in der Regel der Umgangsberechtigte für die entsprechenden Sitzungen aufzukommen.

Ob ein begleiteter Umgang bereits für Kleinkinder zumutbar ist, hängt vom Einzelfall ab. Schließlich benötigt es auch von Seiten des Kindes eine gewisse Reife, damit ein derartiges Modell wirklich sinnvoll ist. Wenn das Kind noch so jung ist, dass es kaum seine eigenen Gefühle und Wünsche äußern kann, versteht es die Gespräche wahrscheinlich nicht und könnte dementsprechend nur unnötig belastet werden.

Auch hier ist die oberste Prämisse das Wohl des Kindes. Ein begleiteter Umgang soll nach Ablauf zur Wiederannährung und zur Konfliktbeseitigung führen. Doch familiäre Probleme können mitunter komplex und tief verwurzelt sein. Begleiteter Umgang – und was kommt danach?

Wenn das Kindeswohl gefährdet ist, können Sie einen begleiteten Umgang abbrechen

Wenn das Kindeswohl gefährdet ist, können Sie einen begleiteten Umgang abbrechen

Je nachdem, wie es zu dieser Maßnahme kann und wie gut die Konstellation mit den einzelnen Akteuren funktioniert, kann ein begleiteter Umgang auch unterschiedliche Erfahrungen bewirken. Bei gerichtlichen Anordnungen soll diese Maßnahme mitunter zu einer Einigung bzgl. des Sorgerechts führen. Liegen besonders ernste Fälle vor, kommt ein angeleitetes Gespräch einer Therapiemaßnahme gleich.

Betreuter Umgang, aber das Kind will nicht

Möchte eine Partei den begleiteten Umgang abbrechen, dann ist diesem Wunsch in der Regel auch Folge zu leisten – vor allem dann, wenn das Kind sich partout wehrt. Ausnahmen können dann bestehen, wenn ein Elternteil das Kind offensichtlich beeinflusst und sich dieses deshalb gegen solche Treffen ausspricht.

Das sagt das Gesetz

Auch wenn die Vermutung nahe liegen mag, handelt es sich hierbei nicht etwa um ein bloßes pädagogisches Experiment; begleiteter Umgang hat seine gesetzliche Grundlage im Bürgerlichen Gesetzbuch. Dort heißt es im § 1684 „Umgang des Kindes mit den Eltern“ im 4. Absatz:

Das Familiengericht kann das Umgangsrecht oder den Vollzug früherer Entscheidungen über das Umgangsrecht einschränken oder ausschließen, soweit dies zum Wohl des Kindes erforderlich ist. […] Das Familiengericht kann insbesondere anordnen, dass der Umgang nur stattfinden darf, wenn ein mitwirkungsbereiter Dritter anwesend ist. Dritter kann auch ein Träger der Jugendhilfe oder ein Verein sein; dieser bestimmt dann jeweils, welche Einzelperson die Aufgabe wahrnimmt.

Begleiteter Umgang: Die Standards sind vom BMFSFJ vorgegeben

Begleiteter Umgang: Die Standards sind vom BMFSFJ vorgegeben

Zudem wurde im Jahr 2007 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Zuge eines Projektes das Sachbuch „Deutsche Standards zum begleiteten Umgang“ herausgegeben. Es umfasst eine juristische Abhandlung über das Thema und Anweisungen dazu, wie begleiteter Umgang in der Praxis umzusetzen ist. Dementsprechend gilt es auch ein Standardwerk in dem Gebiet dieser nachehelichen Konfliktlösung.

Der Gesetzestext spricht von einer Anordnung, aber kann ein begleiteter Umgang auch auf Antrag gewährt werden? Ja, das ist möglich – vor allem dann, wenn Elternteile sich zu Unrecht von Ihrem Kind getrennt fühlen. Hierzu sollten sich Betroffene an ein örtliches Jugendamt oder ähnliche Einrichtungen wenden, um ihre Möglichkeiten zu klären.

Wann wird begleiteter Umgang angeordnet?

Ein verordneter, betreuter Umgang kann unterschiedliche Gründe haben. Allen gemein ist es jedoch ein gestörtes Verhältnis zwischen Eltern(teil) und Kind.

  • Mangel an vorherigem Kontakt: Viele Scheidungskinder haben keinen oder kaum Kontakt zu dem Elternteil, bei welchem sie nicht leben. Soll dann ein Treffen stattfinden, kann ein Umgangsbegleiter eine erste (Wieder)Annäherung anleiten.
  • Eltern-Kind-Entfremdung: Der Begriff bezeichnet ein Verhalten von Kindern gegenüber einem Elternteil, das von einer starken Abwehrhaltung gekennzeichnet ist. Betroffene zeigen eine unverhältnismäßige Abwertung gegen den Vater oder die Mutter. Gründe hierfür sind meist eine einseitige Beeinflussung durch das betreuende Elternteil. Ein begleiteter Umgang kann dann vor allem dem missachteten Partner helfen, die Beziehung zum eigenen Kind zu verbessern.
  • Fehlende Bereitschaft des Elternteils: Anders herum kann es sich natürlich auch so verhalten, dass Eltern kein Interesse an dem Kontakt zum Kind zeigen.
  • Ein begleiteter Umgang kann viele Gründe haben, z.B. die Misshandlung von Kindern

    Ein begleiteter Umgang kann viele Gründe haben, z.B. die Misshandlung von Kindern

  • Fehlende Kompetenz der umgangsberechtigten Person: Mitunter mangelt es Eltern grundlegend an erzieherischen Fähigkeiten. Damit ist nicht zwangsläufig ein gewaltvolles Umfeld, sondern eher extreme Nachlässigkeit und fehlende Fürsorge gemeint.
  • Der umgangsbrechtigte Elternteil ist mental nicht zurechnungsfähig: Begleitete Umgänge sind vor allem dann unabdinglich, wenn das jeweilige Elternteil psychisch belastet ist – durch eine Sucht oder eine psychiatrische Erkrankung etwa. Ein alleiniger Umgang mit dem Kind wäre dementsprechend fahrlässig.
  • Verdacht einer (sexuellen) Misshandlung: Kommt es zu psychischer und physischer Gewalt in der Ehe, ist dies natürlich mit ganz besonders schweren Schäden für Kind und natürlich auch den Partner verbunden. Ein Umgangsrecht wird in der Regel jedoch nicht einfach verwehrt, ohne dass schwerwiegende Gründe dafür vorliegen. Ein begleiteter Umgang kann diese enttarnen, da sie dem Kind eine sichere Umgebung anbietet.
  • Ein Beratungsgespräch kann Ihnen Hilfe bei der Antwort geben, ob ein begleiteter Umgang und wie lange für Sie in Frage kommt.

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