Ist ein Trennungsjahr in gemeinsamer Wohnung möglich?

Wer sich scheiden lassen möchte, der muss nachweisen können, dass seit einem Jahr nicht zusammen gewohnt wurde. Dies soll beweisen: Die Ehe ist zerrüttet und die Lebensgemeinschaft kann und will von den Ehegatten nicht mehr hergestellt werden. Doch was, wenn Ehegatten aus finanziellen oder anderen Gründen keine getrennten Wohnungen beziehen könnten? Unter Umständen wird das Trennungsjahr trotz Leben in gemeinsamer Wohnung anerkannt. Betroffene dürfen jedoch nachweislich in keiner Art ein gemeinsames Leben führen.

Das BGB erkennt das Trennungsjahr unter einem Dach an

Es ist möglich, trotz Trennungsjahr ein gemeinsames Haus zu bewohnen

Es ist möglich, trotz Trennungsjahr ein gemeinsames Haus zu bewohnen

Voraussetzung für das Trennungsjahr ist ein getrenntes Leben – was bei einem Scheidungsverfahren nicht zwangsläufig bedeutet, dass Partner örtlich voneinander getrennt sein müssen. So heißt es im § 1567 BGB:

(1) Die Ehegatten leben getrennt, wenn zwischen ihnen keine häusliche Gemeinschaft besteht und ein Ehegatte sie erkennbar nicht herstellen will, weil er die eheliche Lebensgemeinschaft ablehnt.
(2) Die häusliche Gemeinschaft besteht auch dann nicht mehr, wenn die Ehegatten innerhalb der ehelichen Wohnung getrennt leben.

Dies zählt sowohl für das das Trennungsjahr in gemeinsamer Wohnung als auch das Trennungsjahr im gemeinsamen Haus. Können Ehegatten nachweisen, dass sie während der Zeit des gemeinsamen Zusammenlebens keine häusliche Gemeinschaft im Sinne des BGB hatten, kann dies als getrennt lebend geltend gemacht werden.

Trennungsjahr und gemeinsame Wohnung schließen sich also nicht grundsätzlich aus. Betroffene müssen jedoch tatsächlich getrennt leben – in dem Sinne, als dass in der Zeit vom Trennungsjahr in einer gemeinsamen Wohnung organisatorisch unabhängig voneinander agieren.

In diesem Zusammenhang wird häufig von einer „Trennung von Bett und Tisch“ gesprochen. Dieses Sprichwort meint nicht anderes, als dass sich bei einem Trennungsjahr im gleichen Haus die Lebensführungen nicht überschneiden. „Tisch“ bezieht sich dabei auf getrennte wirtschaftliche Haushalte, mit „Bett“ ist gemeint, dass Partner keine sexuelle Beziehung haben und in der Regel auch wörtlich in getrennten Betten schlafen.

Im Trennungsjahr dürfen sie zusammen wohnen, aber nicht zusammen leben

Im Trennungsjahr dürfen sie zusammen wohnen, aber nicht zusammen leben

Für das Trennungsjahr in gemeinsamer Wohnung muss also eine

  • emotionale Trennung
  • finanzielle Trennung als auch
  • räumliche Trennung

vorgewiesen werden können. Neben den bereits erwähnten Betten sollte generell im Rahmen der Möglichkeiten eine Aufteilung der Räume angestrebt werden, welche dann auch nur oder hauptsächlich von einer Person genutzt werden. Auch gemeinsame Freizeitaktivitäten, die Hilfe bei Haushaltsaufgaben oder dergleichen kann bewirken, dass ein Trennungsjahr in gemeinsamer Wohnung als solches nicht anerkannt wird.

Wird das Trennungsjahr im eigenen Haus kontrolliert?

Gleichwohl die Beschreibungen Sinn ergeben, kommt natürlich die Frage auf, ob dies in irgendeiner Form kontrolliert wird.

Die Antwort ist – wenig überraschend – in der Regel nicht. Die richtenden Instanzen müssen sich in solchen Fällen auf Ihr Wort verlassen. Schließlich ist es unrealistisch, dass jemand zu Ihnen nach Hause kommt und die Wohnung überprüft.

Wenn Sie Ihren Scheidungsantrag stellen und nach Ihrer Wohnsituation befragt werden, dann sollten Sie ein formloses Schreiben abgeben, in welchem sich beide Partner durch eine Unterschrift zur Trennung der Haushalte bekennen.

Nur weil meist nicht persönlich visitiert wird, bedeutet das nicht, dass ein Trennungsjahr in gemeinsamer Wohnung einfach anerkannt wird. Eventuell kann nach Nachweisen über getrennte Konten etc. gefragt werden. Wird in irgendeiner Form offensichtlich, dass eine Mitversorung oder ähnliches bestand, kann dies zur Ablehnung führen.

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