Scheidung statt Exorzismus: Ehefrau angeblich vom Teufel besessen

17. April 2018 um 10:33 Uhr

Eine kuriose Scheidungsbegründung fand ein Mann vor einem Mailänder Gericht im vergangenen Jahr: Er forderte die Scheidung, weil seine Ehefrau vom Teufel besessen sei. Nach einer umfassenden Anhörung auch anderer Angehöriger der Betroffenen – unter Anwesenheit eines Exorzisten -, erklärte das Gericht: Die „religiöse Besessenheit“ sowie erwähnte „unerklärliche Phänomene“ werden als Scheidungsgrund anerkannt. Schuld hätten jedoch weder Ehemann noch Ehefrau an der Zerrüttung der Ehegemeinschaft.

Der Teufel höchstpersönlich gibt sich die Ehre?

In Mailand kam es zu einer kuriosen Scheidung, weil die Ehefrau des Klägers vom Teufel besessen sei.

In Mailand kam es zu einer kuriosen Scheidung, weil die Ehefrau des Klägers vom Teufel besessen sei.

In Italien kann eine Ehe bislang nur geschieden werden, wenn sich einer der Ehegatten gegenüber dem anderen schuldhaft verhält. Ein Strenggläubiger sah dieses Schuldprinzip im Verhalten seiner Ehefrau erfüllt. Der Teufel selbst war bei dem Spektakel im Gerichtssaal nicht anwesend. Aber die Liste der Vorkommnisse, die der Ehemann sowie Angehörige der Frau schilderten, klingt nach einem Auszug aus dem Drehbuch zum Film „Der Exorzist“:

  • Herumwälzen auf dem Kirchenboden
  • extreme Zuckungen im einen, komplette Erstarrtheit im anderen Moment
  • Kirchenbänke habe sie mit nur einer Hand hochgehoben

Nach zehn Jahren der Qual wünschte sich der Mann nun die Scheidung von seiner Ehefrau, da diese vom Teufel besessen sei – unwiderruflich, denn weder Psychologen noch Ärzte oder Exorzisten hatten der Frau helfen können. Eine medizinische Erklärung für die Anfälle fand sich nicht.

Das Gericht erkannte den vom Ehemann hervorgebrachten Scheidungsgrund schließlich an. Da eine Besserung des Verhaltens der Ehefrau nicht abzusehen sei, sei in deren Besessenheit ein ausreichender Grund für die Scheidung gegeben. Die Schuld an der Misere aber läge in diesem Sonderfall nicht bei den Betroffenen, sondern bei einem Dritten mit vielen klangvollen Namen: Beelzebub, Satan, Luzifer, Mephistopheles, Baphomet …

In Deutschland gibt es das Schuldprinzip nicht mehr!

Wenn die religiöse Welt Kopf steht: Eine Scheidung , weil die Ehefrau angeblich vom Teufel besessen sei, ist in Deutschland eher nicht zu erwarten.

Wenn die religiöse Welt Kopf steht: Eine Scheidung , weil die Ehefrau angeblich vom Teufel besessen sei, ist in Deutschland eher nicht zu erwarten.

Wäre die Begründung für die Scheidung, dass die Ehefrau vom Teufel besessen sei, auch hierzulande wirksam? Nein. Ungeachtet der tiefreligiösen Komponente: Das sogenannte Verschuldungsprinzip wurde in Deutschland bereits im Jahre 1977 durch das Zerrüttungsprinzip abgelöst. Seither ist für eine Scheidung hierzulande allein das objektive Scheitern der Ehe ausschlaggebend für die Eheauflösung. Die Zerrüttung wird im Rahmen des Trennungsjahres nachgewiesen.

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