Umgangspflicht – Was bedeutet die Pflicht zum Kontakt mit dem Kind?

Die Umgangspflicht besteht für Eltern gegenüber ihren Kindern.

Eltern haben das Recht auf Umgang mit ihrem Kind. Ebenso hat das Kind ein Recht auf den Umgang mit beiden Elternteilen. Doch im Gegensatz dazu haben Eltern auch die Pflicht, den Umgang mit ihren Kindern zu pflegen. Was bedeutet in der Praxis die Umgangspflicht für Väter und für Mütter? Lässt sich Umgang überhaupt durchsetzen?

Das Wichtigste in Kürze: Was bedeutet Umgangspflicht?

  • Eltern sind verpflichtet, mit ihren Kindern Umgang zu pflegen.
  • Kinder sind nicht verpflichtet, mit ihren Eltern Umgang zu pflegen.
  • Die Umgangspflicht kann gerichtlich durchgesetzt werden.
  • Rechtlich sind auch Vollstreckungsmaßnahmen wie Zwangshaft möglich.
  • Tatsächlich wird die Umgangspflicht bei kategorischen Umgangsverweigerern aufgrund des Kindeswohls in der Regel nicht durchgesetzt.

Ausführliche Informationen zur Umgangspflicht erhalten Sie im Folgenden.

Die Umgangspflicht – Kontakt zwischen Eltern und Kind

Pflicht zum Kontakt: Rechtliche Grundlage

Kinder unterliegen nicht der Umgangspflicht.

Kinder unterliegen nicht der Umgangspflicht.

Umgangsrecht und Umgangspflicht sind im Gesetz aus demselben Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) ableitbar. Neben dem Recht des Kindes auf Umgang mit jedem Elternteil heißt es in § 1684 Abs. 1 BGB:

“[…] jeder Elternteil ist zum Umgang mit dem Kind verpflichtet und berechtigt.”

Eine Pflicht des Kindes hingegen, mit seinen Eltern in Kontakt zu treten, gibt es nicht. Juristisch gesehen sind also Elternteile im Recht, die die Umgangspflicht, etwa vom Vater, durchzusetzen versuchen. In der Praxis ist es jedoch erheblich schwieriger, die Umgangspflicht zu erzwingen.

Die Umgangspflicht einklagen: Geht das?

Ja, es ist durchaus möglich, beim Gericht zu beantragen, den umgangsberechtigten Eltern auch zur Ausübung dieses Rechts zu verpflichten. Dies kann insbesondere dann Sinn ergeben, wenn die Umgangspflicht in der Vergangenheit zwar wahrgenommen wurde, der Umgangsberechtigte jedoch sehr unzuverlässig bzw. der Umgang unregelmäßig oder zu kurz war.

In einem solchen Fall kann ein gerichtlich zugestellter Antrag den Elternteil aufrütteln und ihm die Wichtigkeit des Umgangs verdeutlichen. Gegebenenfalls ist ein Ordnungsgeld möglich. Im Anschluss ist dann vielleicht die Ausarbeitung einer verbindlichen Umgangsregelung möglich, die im Endeffekt jedoch freiwillig eingegangen und eingehalten wird.

Grundsätzlich gilt: Der Umgang ist eine Verbindlichkeit! Andere Angelegenheiten müssen zurückstehen. Pünktlichkeit, eine zuverlässige Einhaltung der Vereinbarung und die Entlastung des betreuenden Elternteils sollten eingehalten werden!

Ernsthafte Umgangsverweigerung: Klage sinnvoll?

Die Umgangspflicht zu erzwingen, ist bei hartnäckiger Weigerung kaum im Sinne des Kindes.

Die Umgangspflicht zu erzwingen, ist bei hartnäckiger Weigerung kaum im Sinne des Kindes.

Bei ernsthaften Verweigerern des Umgangs ist eine Klage jedoch meist aussichtslos. Denn maßgeblich ist immer das Kindeswohl zu beachten.

Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) entschied, dass der nur mit Zwangsmitteln gegen den umgangsunwilligen Elternteil durchgesetzte Umgang meistens nicht dem Kindeswohl dient – und damit auch nicht durchgesetzt werden sollte.

Nur wenn ein solcherweise erzwungener Umgang zwischen Eltern und Kind dessen Wohl dient, ist eine Durchsetzung mit Zwangsmitteln denkbar. In einer Pressemitteilung (44/2008) gab das BVerfG bekannt:

“Daher ist in solchen Fällen die Zwangsmittelvorschrift des § 33 FGG verfassungskonform dahingehend auszulegen, dass eine zwangsweise Durchsetzung der Umgangspflicht zu unterbleiben hat. Anders liegt es, wenn es im Einzelfall hinreichende Anhaltpunkte gibt, die darauf schließen lassen, dass ein erzwungener Umgang dem Kindeswohl dienen wird. Dann kann der Umgang auch mit Zwangsmitteln durchgesetzt werden.”

In der Regel keine zwangsweise Durchsetzung

Aus Gründen des Kindeswohls erfolgt in der Regel also keine zwangsweise Durchsetzung der Umgangspflicht. Theoretisch sind jedoch Zwangsmaßnahmen möglich. Dazu gehören:

Aus den genannten Gründen kommt allerdings insbesondere die Gewaltanwendung durch Vollstreckungsbeamte so gut wie nie zur Anwendung.

Umgangspflicht in den Ferien

Die Umgangspflicht in den Ferien umfasst auch das Recht auf gemeinsame Reisen.

Die Umgangspflicht in den Ferien umfasst auch das Recht auf gemeinsame Reisen.

Gibt es auch eine Umgangspflicht in den Ferien? Muss der Vater beispielsweise einen Teil davon mit den Kindern verbringen? Grundsätzlich hat der Umgangsberechtigte einen Anspruch darauf, einen Teil der Ferien mit seinen Kindern verbringen zu können, ebenso haben die Kinder einen Anspruch darauf, dass die Umgangspflicht vom Vater in den Ferien wahrgenommen wird.

Eine gesetzliche Regelung, in welchem Umfang der Umgang zu erfolgen hat, gibt es jedoch nicht. Maßgebend ist auch hier das Kindeswohl. Die Eltern sind angehalten und sogar verpflichtet, sich um eine einvernehmliche Lösung zu bemühen.

Ist es jedoch nicht möglich, zu einer Einigung zu gelangen, kann auch das Familiengericht eine verbindliche Entscheidung treffen. Meist sind die Ferien dann hälftig oder im Wechsel aufzuteilen.

Während des Umgangs kann der umgangsberechtigte Elternteil den Aufenthalt des Kindes bestimmen und die Aktivitäten aussuchen. Ebenso ist er berechtigt, ohne Zustimmung des Sorgeberechtigten mit dem Kind zu verreisen, solange es sich um eine inländische oder EU-Reise handelt.

Dauer und Frequenz der Umgangspflicht

Weitere Streitpunkte sind oft Dauer und Regelmäßigkeit der Umgangspflicht. Wie oft und wie lang sollte der Umgang stattfinden? Verbriefte Bestimmungen gibt es auch dazu nicht. Die familiäre Situation, die Entfernung zwischen den Wohnorten und das Alter des Kindes müssen in dieser Frage berücksichtigt werden.

In der Rechtsprechung haben sich jedoch ungefähre Richtwerte etabliert:

  • Kleinkinder: fünf zusammenhängende Stunden/Woche
  • Kindergartenkinder: ein Tag/Woche oder zwei Tage/alle zwei Wochen
  • Schulkinder: jedes zweite Wochenende

Je nach Familiensituation müssen diese Werte jedoch angepasst und abgeändert werden.

Umgangsrecht boykottieren: Ist das erlaubt?

Die Umgangspflicht erlischt nicht, wenn das Kind beeinflusst wurde, damit es den Umgang verweigert.

Die Umgangspflicht erlischt nicht, wenn das Kind beeinflusst wurde, damit es den Umgang verweigert.

Die Umgangspflicht besteht nur für die Eltern. Wenn das Kind nicht zum anderen Elternteil möchte, wird es dazu unter Umständen nicht genötigt. Beiden Elternteilen ist eine negative Beeinflussung des Kindes hinsichtlich des Umgangs mit dem anderen Elternteil jedoch untersagt. In § 1684 Abs. 2 Satz 1 BGB heißt es dazu:

“Die Eltern haben alles zu unterlassen, was das Verhältnis des Kindes zum jeweils anderen Elternteil beeinträchtigt […].”

Insbesondere kann das Umgangsrecht des boykottierten Elternteils dann meist auch gegen den Willen des Kindes durchgesetzt werden, indem per Gerichtsbeschluss eine Regelung des Umgangs festgelegt wird.

Diese Regelung ist dann auch gegen den manipulierenden Elternteil durch Ordnungsgelder und Ordnungshaft vollstreckbar, der das Sorgerecht innehat. In extremen Fällen kann dann sogar das Sorgerecht entzogen werden.

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