Scheidungsurteil anfechten – Wie lange können Sie gegen den Scheidungsbeschluss vorgehen?

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Am Ende des Scheidungsverfahrens steht der Scheidungsbeschluss – bis 2009 hieß dieser noch Scheidungsurteil. Sind die Beteiligten mit den hierin getroffenen Vereinbarungen und Festlegungen jedoch nicht einverstanden, so stehen ihnen Rechtsmittel zur Verfügung, mit denen sie das Scheidungsurteil anfechten können. Der Beschluss ist nämlich nicht sofort rechtskräftig. Doch wie viel Zeit haben die Beteiligten, um gegen die Scheidung Einspruch einzulegen?

Das Wichtigste in Kürze: Anfechtung des Scheidungsurteils

  • Grundsätzlich können gegen das Scheidungsurteil bzw. den -beschluss Rechtsmittel eingelegt werden, sofern kein Rechtsmittelverzicht erklärt wurde.
  • Betroffene haben dafür einen Monat Zeit. Mit Ablauf der Frist wird das Urteil rechtskräftig.
  • Einen bereits rechtskräftigen Scheidungsbeschluss anzufechten ist in der Regel nur selten möglich – etwa bei Irreführung oder Täuschung.

Ausführliche Informationen zur Anfechtung eines Scheidungsurteils erhalten Sie im Folgenden.

Welche Rechtsmittel bei einer Scheidung angewandt werden können

Wie viel Zeit bleibt, um die Scheidung anfechten zu können?

Wie lange können Sie ein Scheidungsurteil anfechten?

Wie lange können Sie ein Scheidungsurteil anfechten?

Verkündet das Gericht zum Abschluss des Scheidungstermins den Beschluss, in dem der Scheidung der Ehe zugestimmt wird und auch alle anderen Festlegungen verlesen werden, so handelt es sich in aller Regel noch nicht um eine rechtskräftige Entscheidung.

Zwar können die Beteiligten durch den jeweils vertretenden Anwalt den sogenannten Rechtsmittelverzicht erklären, es bietet sich jedoch in aller Regel an, die Frist hierfür einfach verstreichen zu lassen. So können die Ehegatten den Scheidungsbeschluss noch einmal eingehend prüfen.

Jetzt ist auch die nötige Ruhe vorhanden, um sich noch einmal ganz detailliert mit den beschlossenen Sachverhalten auseinanderzusetzen. So kann auch schon einmal der ein oder andere Zweifel hervorgerufen werden.

Nach Erhalt der schriftlichen Ausfertigung der gerichtlichen Entscheidung haben die Beteiligten einen Monat Zeit, um das Urteil eingehend zu prüfen und Entscheidungen ggf. noch einmal genauestens zu überdenken.

Innerhalb dieser einmonatigen Frist können Sie Rechtsmittel einlegen und so das Scheidungsurteil anfechten. Beachten Sie dabei in jedem Fall, dass es sich auch hierbei um Anträge handelt, für die im Familienrecht Anwaltszwang gilt. Das bedeutet, Sie müssen Ihren Anwalt – oder einen neuen – mit der Berufung oder Revision beauftragen.

Welche Rechtsmittel sind im Zivilprozess möglich?

Es gibt unterschiedliche Rechtsmittel, die im Rahmen eines Zivilprozesses – hierzu zählt auch das Scheidungsverfahren – möglich sind. Die wichtigsten sind:

  • die Berufung
  • die Revision
  • die Beschwerde
  • die sofortige Beschwerde

Beschwerdeverfahren sind im Falle eines abschließenden Urteils eher selten möglich, sondern beziehen sich meist nur auf Einzelentscheidungen. Weist das Gericht etwa im Rahmen des Scheidungsverfahrens einen Antrag zu einer weiteren Folgesache zurück, sind die Mittel der Beschwerde denkbar.

Wollen Sie jedoch die Scheidung selbst anfechten, so ist das Rechtsmittel der Wahl die Berufung. Sind Sie mit dem erstinstanzlich getroffenen Beschluss nicht einverstanden, können Sie über Ihren Rechtsanwalt in Berufung gehen. Allerdings bedarf es hierbei einer umfangreichen Begründung.

Stimmt das Gericht dem Berufungsantrag zu, wird das Urteil an dem nächsthöheren zuständigen Gericht (Oberlandesgericht) geprüft.

Ist einer der Beteiligten mit dem Berufungsurteil wiederum unzufrieden, kann er mit Hilfe der Revision das neuerliche Scheidungsurteil anfechten.

Können Sie ein rechtskräftiges Scheidungsurteil anfechten?

Wesentlich schwieriger gestaltet es sich, die Scheidung noch nachträglich anfechten zu wollen, wenn die Rechtsmittelfrist bereits abgelaufen und der Scheidungsbeschluss rechtskräftig ist. Hierzu bedarf es einer plausiblen Begründung, warum erst so spät eine Berufung beantragt wurde.

Eine bereits rechtskräftige Scheidung anfechten? Dies ist nur in seltenen Ausnahmefällen möglich.

Eine bereits rechtskräftige Scheidung anfechten? Dies ist nur in seltenen Ausnahmefällen möglich.

Bei Vorliegen einer etwaigen Täuschung oder Irreführung können Sie in seltenen Fällen auch noch ein bereits rechtskräftiges Scheidungsurteil anfechten. Lassen Sie sich in einem solchen Fall von einem Rechtsanwalt für Familienrecht hinsichtlich der Erfolgsaussichten beraten.

Wollen Sie lediglich die im Scheidungsverfahren getroffenen Vereinbarungen hinsichtlich eines etwaigen nachehelichen Unterhalts an den geschiedenen Ehegatten revidieren, müssen Sie laut Familienrecht nicht gleich das gesamte Scheidungsurteil anfechten.

Haben sich Ihre persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse geändert, sodass Sie den vereinbarten Unterhalt nicht mehr zahlen können, besteht die Möglichkeit einer Anpassung der Zahlungen mit Hilfe einer Abänderungsklage. Diese betrifft dann lediglich die Unterhaltsforderungen, nicht aber die gesamte gerichtliche Entscheidung. Diese bleibt im Gros bestehen und wird nur hinsichtlich der Unterhaltsforderungen angepasst.
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