Eintreibung von Unterhaltsvorschuss: 2018 nur 12,8 Prozent der Gelder zurückgeholt

18. Februar 2019 um 15:59 Uhr

Im Jahre 2018 wurden insgesamt 2,1 Milliarden Euro aus den Staats- und Landeskassen aufgewendet, um Unterhaltsvorschuss an Berechtigte zu leisten. Gegenüber 2017 stiegen die Ausgaben damit um 1 Milliarde Euro. Die säumigen Unterhaltspflichtigen Väter oder Mütter sind dabei in der Regel rückzahlungspflichtig, sofern Leistungsfähigkeit besteht. Doch die Kassen konnten 2018 lediglich gut 270 Millionen Euro wieder von den Schuldnern zurückholen. Damit lag die Rückgriffsquote bei der Eintreibung von Unterhaltsvorschuss bei nur gut 12,8 Prozent.

Größere Aufwendung von Steuergeldern: Ausgaben steigen, Rückgriffsquote sinkt

Behörden hinken bei Eintreibung von geleistetem Unterhaltsvorschuss immer stärker hinterher.
Behörden hinken bei Eintreibung von geleistetem Unterhaltsvorschuss immer stärker hinterher.

Wurden im Jahre 2017 noch 1,1 Milliarden Euro für die Leistung von Unterhaltsvorschuss aufgewendet, stiegen die Ausgaben 2018 um etwa 91 Prozent auf zirka 2,1 Milliarden Euro. Die Erhöhung ergibt sich vor allem daraus, dass im Jahre 2017 erst ab Mitte des Jahres die Unterhaltsvorschussreform griff, durch die der Personenkreis an Berechtigten erheblich ausgeweitet wurde.

Gleichzeitig sank der Anteil der Gelder, die durch Eintreibung von geleistetem Unterhaltsvorschuss von den säumigen Elternteilen wieder zurückgeholt werden konnte.

2017 konnten 209 Millionen Euro an geleisteten Geldern zurückgeholt werden. Zwar floss mit 270 Millionen Euro im Jahre 2018 damit effektiv wieder mehr Geld zurück in die Staats- und Landeskassen. In Relation mit den gestiegenen Ausgaben ist die Rückgriffsquote (Verhältnis von Ausgaben und erhaltenen Rückzahlungen) bei der Eintreibung von Unterhaltsvorschuss jedoch stark gesunken. Die Belastung für die Staats- und Landeskassen steigt mithin, die Angriffsfläche für Kritik an der Unterhaltsvorschuss-Reform wächst.

Entwicklung der Rückgriffsquoten:

  • 2016: 23 Prozent
  • 2017: 19 Prozent (209 Millionen von 1,1 Milliarden Euro)
  • 2018: 12,8 Prozent (270 Millionen von 2,1 Milliarden Euro)

Gründe für die Defizite bei der Eintreibung von geleistetem Unterhaltsvorschuss

Wesentliche Gründe für die schlechten Rückgriffsquoten bei der Eintreibung von Unterhaltsvorschuss sind:

  • Die Rückerstattung der gemachten Ausgaben gegenüber dem säumigen Elternteil ist in der Regel nur möglich, wenn dieser leistungsfähig ist. In den meisten Fällen beantragen Alleinerziehende den Unterhaltsvorschuss aber nicht wegen der nachdrücklichen Weigerung des anderen Elternteils, für den Kindesunterhalt aufzukommen. Häufig lassen dessen finanziellen Verhältnisse die Zahlung von Unterhalt stattdessen gar nicht erst zu. Hier kann dann auch die Eintreibung von Unterhaltsvorschuss kaum gelingen.
  • Darüber hinaus hatte der Mangel an Personal in den Unterhaltsvorschusskassen lange Zeit nicht nur das Auflaufen von UVG-Anträgen zur Folge. Auch für die Eintreibung von geleistetem Unterhaltsvorschuss besteht ein erheblicher Personalbedarf, auf den vielerorts jedoch (noch) nicht zurückgegriffen werden kann.

Hat auch Ihr Kind Anspruch? Im folgenden Video des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) erhalten Sie wichtigsten Antworten zum Unterhaltsvorschuss:h

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