Corona-Auswirkungen auf Scheidung, Umgangsrecht, Unterhalt & Co.

07. April 2020 um 09:59 Uhr

Kaum ein Lebensbereich, der von der derzeitigen Corona-Pandemie nicht betroffen ist. So verwundert es nicht, dass sich die Corona-Krise auf Scheidung, Umgang, Unterhalt und viele andere Bereiche auswirkt. Gerichte verschieben Scheidungstermine, getrennt lebende Eltern sind unsicher, wie sie den Umgang realisieren oder bei Jobverlust oder Kurzarbeit weiterhin Unterhalt zahlen sollen. Wir geben einen Überblick, was Sie in Zeiten von Corona zu Scheidung, Umgangsrecht, Kindesunterhalt & Co. wissen sollten.

Wegen Corona: Umsetzung von Scheidung und Umgang problematisch

Erschwerte Bedingungen durch Corona auch bei Scheidung, Umgang und Unterhalt. Was gilt es zu beachten?
Erschwerte Bedingungen durch Corona auch bei Scheidung, Umgang und Unterhalt. Was gilt es zu beachten?

Mein Scheidungstermin wurde auf unbestimmte Zeit verschoben, was nun?

Sie befinden sich bereits mitten im Scheidungsverfahren, doch auch die Gerichte steuern nach und heben bereits beschlossene Termine wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus auf? Das betrifft derzeit immer mehr Leute.

Zwar kann die Politik aufgrund der Gewaltenteilung den Gerichten diesen Vorgang nicht aufzwingen, aber auch in Gerichtsgebäuden müssen die Corona-Schutzmaßnahmen aufrecht erhalten werden. Um die Weiterverbreitung des neuartigen Coronavirus zu verlangsamen, folgen nun immer mehr Gerichte den Maßgaben der Politik und schließen ihre Gebäude weitgehend für den Publikumsverkehr. Noch stattfindende Prozesse, etwa im Strafrecht, finden nur unter strengen Auflagen und Beschränkungen bei der Besucheranzahl statt.

Viele Gerichte halten es hier wie in Krankenhäusern: Nur wichtige und unverschiebbare Termine (etwa wenn Verjährung droht), finden statt. Selbst der Bundesgerichtshof verschiebt erste Termine. Andere werden nach und nach verschoben. Für Betroffene der Corona-Krise, die Scheidung, Umgangsregelungen oder andere Familienrechtsfragen klären wollen, bedeutet das derzeit eine Zwangspause in den Verfahren.

Es ist momentan auch noch nicht abzusehen, wie lange die Maßnahmen greifen werden. Die Terminverschiebungen auf Zeiten nach Ostern können also ebenfalls noch weiter hinausgezögert werden. Ein Anspruch, aufgrund der Corona-Krise eine Scheidung in Abwesenheit der Parteien durchzuführen, besteht aktuell ebenso noch nicht.

Wie können wir den Umgang trotz der Corona-Maßnahmen regeln?

Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf Umgangsrecht und Unterhaltsleistungen fürs Kind?
Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf Umgangsrecht und Unterhaltsleistungen fürs Kind?

In allen Bundesländern gelten wegen der Ausbreitung von SARS-CoV-2 derzeit strenge Kontaktsperren und Ausgangsbeschränkungen. Das stellt auch getrennt lebende Eltern vor besondere Herausforderungen. Der Umgang mit den gemeinsamen Kindern darf jedoch in den meisten Fällen nach wie vor stattfinden: Eltern dürfen ihre Kinder nach wie vor an den anderen Elternteil übergeben.

Beschränkungen gelten nur in besonderen Fällen, etwa:

  • Einer der Elternteile steht unter Quarantäne oder befindet sich in häuslicher Isolation: In diesem Fall hebeln Ausgangs- und Kontaktverbot das Umgangsrecht derzeit aus.
  • Begleiteter Umgang: Können die Stellen den begleiteten Umgang wegen Schließung für den Publikumsverkehr nicht realisieren, bleiben auch die begleiteten Kontakte aus.
  • Umgang für Urlaubsreisen: Durch die Reisebeschränkungen können auch Urlaube mit den gemeinsamen Kindern im Moment nicht stattfinden. Der Umgang muss in diesen Fällen ggf. anders gestaltet werden.

Wichtig: Auch in Zeiten von Corona steht das Kindeswohl ganz oben. Kinder haben auch weiterhin ein grundsätzliches Recht auf Umgang mit beiden Eltern, sofern dies umsetzbar ist. Die Eltern sollten sich daher zeitnah telefonisch über die veränderten Bedingungen absprechen und sich bemühen, dem Kind den Umgang zu ermöglichen. Es ist nicht zulässig, den Umgang wegen der Corona-Pandemie ohne triftigen Grund zu verweigern.

Ich habe wegen Corona meinen Job verloren: Muss ich weiter Unterhalt zahlen?

Viele Menschen sind wegen der aktuellen Corona-Pandemie von Kurzarbeit und Kündigungen betroffen. Das macht sich natürlich auch in deren Einnahmen bemerkbar. Unterhaltspflichtige können vielfach aufgrund der derzeitigen Lage keinen Unterhalt mehr leisten. Sind sie dennoch dazu verpflichtet?

Grundsätzlich gilt: Ein Anspruch auf Kindesunterhalt oder Ehegattenunterhalt kann nur solange bestehen, wie der Schuldner leistungsfähig ist. Brechen diesem nun aufgrund von unverschuldeter Arbeitslosigkeit die Einnahmen weg, kann der Anspruch auf Unterhalt damit auch entfallen. Bei Kurzarbeit und geringeren Einnahmen kann sich zumindest die Anspruchshöhe verringern.

Sprechen Sie sich daher zeitnah untereinander ab. Ggf. können für Kinder sogar zeitweise Ansprüche auf Unterhaltsvorschuss ergeben.

Steigt die Zahl der Scheidungen wegen der Corona-Krise an?

Werden sich mehr Menschen für eine Scheidung wegen der Corona-Krise entschließen?
Werden sich mehr Menschen für eine Scheidung wegen der Corona-Krise entschließen?

Statistisch gesehen nimmt die Zahl der Scheidungen besonders nach Urlauben, Ferienzeiten und Feiertagen zu – Zeiten also, in denen die Familien und Paare vergleichsweise viel Zeit miteinander verbringen. Durch die besonderen Umstände und Beschränkungen leben momentan viele Familien auf engstem Raum, ein Ausweichen auf Arbeitsplatz, Hobbys o. Ä. ist kaum möglich. Dadurch ist auch davon auszugehen, dass nach der Corona-Krise eine Scheidung oder Trennung bei vielen Eheleuten und Paaren im Raum stehen könnte.

Valide Zahlen können aber erst in Monaten Auskunft über die tatsächliche Steigerung der Scheidungsraten liefern, zumal auch viele Anwaltskanzleien und Gerichte nur beschränkt arbeitsfähig sind.

Fälle häuslicher Gewalt häufen sich

Durch die räumliche Beschränkung fürchten Experten auch eine Zunahme häuslicher Gewalt in Familien, gerade in Städten, in denen Familien oftmals nur wenig Platz zur Verfügung steht. Studien aus China zeigten hier etwa eine Verdreifachung der Zahlen. Auch in deutschen Städten gibt es deutlich mehr Anzeigen, in Berlin etwa 10 Prozent.

Die Plätze in Frauenhäusern und ähnlichen Einrichtungen fehlen hierzulande bereits jetzt schon. Viele Großstädte wollen daher Hotels in provisorische Frauen- und Familienhäuser umwandeln.

Sind Sie oder Ihre Kinder Opfer häuslicher Gewalt? Sie können sich an unterschiedlichste Beratungsstellen wenden (aber natürlich auch an die Polizei!), z. B.:

Bildnachweise: depositphotos.com/Giovanni_Cancemi, depositphotos.com/AllaSerebrina, fotolia.com/Ivan Kruk

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